Heimat- und Verkehrsverein
Ginsheim - Gustavsburg

Der Verein


Kurzbeschreibung:

Der Verein sieht seine Hauptaufgaben in der Erhaltung der Heimatgeschichte, insbesondere von Ginsheim und Gustavsburg, durch Betreuung des Heimatmuseums, durch Aufbau und Pflege des Ortsarchivs in Text, Film und Bild, durch Veranstaltungen sowie durch Führungen und Ausstellungen. Zur Zeit hat der Verein gut 420 Mitglieder.

Im Jahre 2004 konnte der Verein sein 50-jähriges Jubiläum begehen.

Die Chronik

Der Heimat- und Verkehrsverein Ginsheim-Gustavsburg e.V. (HVV) hatte schon vor seiner Gründung einen Vorläufer, auf die er sich jedoch in seiner eigenen Geschichte nie bezog: Gleichzeitig mit dem Ausbau des Strandbades am Ende der 20er Jahre hat der damalige Bürgermeister Peter Laun eine erfolgreiche Werbekampagne für den Ginsheimer Tourismus gestartet. Im März 1930 ruft eine Werbeschrift mit dem Titel “Heimatdienst Mainz-Ginsheim” insbesondere die Ginsheimer Geschäftsleute auf, “die Zukunft unserer Heimat nicht dem Zufall … zu überlassen”. Die

Aufmerksamkeit der Bevölkerung von Groß-Mainz sollte vermehrt auf das Strandbad gelenkt (damals schon bis zu 2.500 Besucher an einem Sonntag!) und dessen Ausbau gefördert werden. Weiterhin sollten die Sportstätten ausgebaut, ein Marine-Denkmal errichtet, eine Wagenfähre (Anm.: über den Rhein) eingerichtet und eine Verbindungsstraße zur Chaussee Laubenheim-Weisenau gebaut werden. Und der Altrhein “darf nicht länger durch den Schwarzbach verunreinigt und zu einem stinkenden Sumpf werden”.


Wie alsdann aus einem Flugblatt des Gemeindevorstandes aus dem Jahre 1932 zu entnehmen ist, wollte man nun einen Verkehrsverein auf Gemeindeebene gründen. Dieser Verein sollte eine wirkungsvolle Fremden- und Verkehrswerbung durchführen. Er wurde am 28. Juni 1933 als “Verkehrsverein Mainz-Ginsheim” gegründet und nahm seine Tätigkeit kurz nach dem Beginn des “Dritten Reiches” in einer sehr zeitgenössischen Art auf. Der Verein wurde jedoch nicht in das Vereinsregister eingetragen. Über sein weiteres Werden und Arbeiten sowie sein Erlöschen war bislang nichts festzustellen.

Nach dem zweiten Weltkrieg sorgte zunächst eine Verkehrsabteilung des Gewerbevereins Ginsheim für die Tourismusangelegenheiten. Trotzdem war gerade die Führung des Gewerbevereins mit der Arbeit dieser Verkehrsabteilung unzufrieden und regte bei der Jahreshauptversammlung im Mai 1954 die Gründung eines Heimat- und Verkehrsvereins an. Der Heimat- und Verkehrsverein Ginsheim wurde am 12. Juni 1954 im Café Ambach von 69 Ortsbürgern gegründet. Ziel des Vereins war insbesondere die Förderung des Ausflugs- und Fremdenverkehrs durch den Wiederaufbau des Strandbades, die Erstellung

von Prospekten und Werbeplakaten, das Angebot an Postkarten sowie durch die Schaffung von Übernachtungsmöglichkeiten und Campingplätzen für Touristen. Die beiden abgebildeten Postkarten stammen aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, also aus der Gründungszeit des HVV.

Schon bei der Gründung wurde darauf hingewiesen, dass sich der neugegründete Verein die Liebe zur Heimat, die Erforschung der Vergangenheit und die Erstellung einer Ortschronik als Ziel setzen werde. Zum ersten Vorsitzenden des neuen Vereins wurde Rektor Otto Wenke gewählt.

Den ersten Vortragsabend gestaltete bereits im Juli 1954 Dekan Dr. Dr. Steitz aus Bischofsheim unter dem Thema “Ginsheims Entwicklung bis zur Reformation”. Er brachte Forschungsergebnisse mit, die wir in der Zusammenfassung auszugsweise aus dem Lokal-Anzeiger vom 23.7.1954 zitieren: “Wesentlich

erschien sein Hinweis, daß die Gründung Ginsheims nicht erst 1190 erfolgt sein könne, da um diese Zeit, in der Ginsheim zu ersten Male urkundlich erwähnt werde, die aus vier Gehöften bestehende Ansiedlung bereits etwa 100 Einwohner gezählt habe. Im 6. Jahrhundert sei aber in der Nähe Ginsheims die Entscheidungsschlacht zwischen Alemannen und Franken geschlagen worden und der Franke Gimmo sei es wahrscheinlich auch gewesen, der sich an Schwarzbach und Altrhein ansiedelte und dem späteren Ginnesheim, Ginnenheim, Ginsheim den Namen gab. …” (Seit 1988 wissen wir, dass auch das Jahr 1190 für die erste urkundliche Erwähnung nicht stimmt – dies betraf Gimbsheim im Kreis Mainz-Alzey.)

Die Gepflogenheit, die Jahreshauptversammlungen jeweils mit einem besonderen Höhepunkt abzuschließen, geht bereits auf die ersten Versammlungen zurück und wird bis heute beibehalten. So wurden beispielsweise die Versammlungen beendet

* im Jahr 1956 mit dem MAN Farbfilm “Auf Schritt und Tritt”

* im Jahr 1959 mit Lichtbildervortrag von Prälat Gottron aus Mainz

* im Jahr 1962 mit einer Dia-Schau aus Ginsheim von Werner Fauth, der Bilder zeigte, die  
   überwiegend von seinem Vater in über 50 Jahren aufgenommen wurden (Viele dieser Aufnahmen
   sind erfreulicherweise in dem Bildarchiv des HVV vorhanden.)

* im Jahr 1978 mit Farbdias von Ginsheim aus dreißig Jahren Fototätigkeit von Georg Jungmann

* im Jahr 1988 mit einem Referat von Rudolf Guthmann über Ginsheimer Fachwerkhäuser

* im Jahr 1993 mit einem Referat von Hartwig Hirte über die Mühlenburschen-Ordnung aus dem Jahre
   1835

* im Jahr 1996 mit einem Vortrag von Irmgard Schäfer über lokalen Dialekt und Brauchtum

* im Jahr 2004 mit der “Gustavsburger Tagesschau” aus dem Jahr 1963 von Alfred Leroudier.

Zwischen 1955 und 1975 organisierte der Verein mehrere Heimatabende und Vortragsreihen über die Geschichte von Ginsheim und führte jährliche Foto- und Blumenschmuck-Wettbewerbe durch. Für diese Wettbewerbe wurden zum Teil recht ansehnliche Preise ausgelobt.

Vor allem bei den insgesamt 14 Blumenschmuck-Wettbewerben war die Beteiligung sehr hoch, und so konnten zum Beispiel im Jahre 1957 insgesamt 153 Preise vergeben werden. Unter der Leitung des HVV wurde Ginsheim im Jahre 1959 gar 1. Sieger auf Kreisebene bei dem vom Land Hessen neu gestarteten

Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden”. Zu den Fotowettbewerben können wir aus Platzgründen nur zwei prämiierte Beispiele vorstellen, beide aus dem Jahr 1958.

Im Jahre 1962 hat der HVV erstmals gegen die damals beabsichtigte Zuschüttung des Mühlkanals protestiert. Zunächst noch mit Erfolg, der aber bekanntlich letztendlich nicht von Bestand war.

Fehlende Übernachtungsmöglichkeiten in Gaststätten und im Privatbereich hemmten die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Ginsheim jedoch weiterhin stark. Die zur Verfügung stehenden Zimmer wurden durchweg von den großen Industriebetrieben für ihre Arbeiter gemietet. Anfang der 70er Jahren beschränkte sich das Vereinsleben dann fast nur auf die Ausführung einer jährlichen Fastnachtsveranstaltung und auf Ausflugsaktivitäten. Die Fastnachtsveranstaltungen fanden zunächst im Café Ambach statt. Woher die HVV-Sitzungen ihren besonderen Charakter damals wie heute hatten und haben, drückte Otto Wenke in der Sitzung vom 26.1.1963 wie folgt aus: “Wir haben kein Programm, sondern jeder, der in der Bütt etwas Humorvolles zu sagen weiß, kann zum Gelingen beitragen.” Und es ist noch heute so, dass jedes Mitglied sich melden und in die Bütt steigen kann.

Noch ein zweites Zitat aus dem Jahre 1963 sei gegeben. Der Lokal-Anzeiger schrieb am 3.5.1963: “Man kann es den Ginsheimern wirklich nicht verübeln, wenn sie auf der Generalversammlung des HVV auch die unliebsamen Zustände am Schwarzbach und Altrhein erneut heftig kritisierten. … Was hat man schon alles getan: man hat das Fernsehen, den Rundfunk, die Bundesgesundheitsministerin und Kommissionen über Kommissionen hergeschickt. Nur das eine nicht, endlich für Abhilfe gesorgt. …”. Zu dem gleichen Thema heißt es dann in dem Bericht vom 30.3.1972 über die Generalversammlung: “Der Altrhein, eine stinkende Kloake, hat seit Jahren die Ginsheimer Bevölkerung zu Protesten herausgefordert. Was dabei herauskam, waren Ausbaggerungen im Altrhein bis zur Schwarzbachmündung, die enorme finanzielle Mittel verschlangen. Die Folge war eine nur vorübergehende Besserung. …”

Das Jahr 1974 brachte eine Krise für den Verein. Das erste Hauptziel des Vereins, die Vorbereitungen zur Veröffentlichung einer Ortschronik, war abgeschlossen. In Bezug auf das zweite Hauptziel, Ginsheim zu einem Fremdenverkehrsziel zu machen, war man zu der Auffassung gelangt, dass dies nie erreicht werden kann. Da andererseits im Rahmen der Naherholung jedoch an den Wochenenden so viele Menschen nach Ginsheim kamen, musste man hierfür keine Reklame mehr machen. Auch die Blumenschmuck- und anderen Wettbewerbe hatten mit der Zeit an Anreiz verloren. Somit schlug der Vorstand die Vereinsauflösung vor.

Erfreulich, dass es anders kam. Nach 21 Jahren Vereinsführung wollte der Vorsitzende Otto Wenke 1975 zurücktreten und das Ruder in die Hände von jüngeren Leuten mit neuem Elan legen. Und er hatte auch zu der Generalversammlung vom 31.10.1975 schon einen möglichen Nachfolger mitgebracht, der den Verein wieder zu seiner alten Blüte bringen sollte. Zugleich wurde dem Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, dass der Verein durch eine Satzungsänderung in “Heimat- und Verkehrsverein Ginsheim-Gustavsburg e. V.” umbenannt wurde, da nicht Ginsheim sondern Ginsheim-Gustavsburg die Heimatgemeinde ist. (Bis heute ist der HVV einer der wenigen Vereine, die Personen beider Ortsteile gleichermaßen ansprechen.) Zum 1. Vorsitzenden des umbenannten Vereins wurde der von Otto Wenke vorgeschlagene und in der Heimat- und Altertumsforschung sehr bewanderte Verwaltungsbeamte Claus Daschmann gewählt.

1977 wurde der monatliche Mitgliedsbeitrag, der seit Gründung 50 Pfennig betrug, auf eine Mark erhöht.

Im November 1978 wurde die erste Ausstellung “Freie Zeit – genutzte Zeit” ausgeführt, und zwar im evangelischen Gemeindehaus. Mit mehr als 800 Besuchern fand diese Ausstellungen ebenso wie die in größeren Abständen folgenden Ausstellungen einen sehr guten Zuspruch.

Mit den intensivierten Vereinsaktivitäten ab 1975 konnte der HVV wieder Mitgliederzuwächse erfahren. Dann kam ein riesig großes Ereignis auf den HVV zu: In der Jahreshaupt-Versammlung vom 19.5.1979 konnte Claus Daschmann vermelden, “daß er von Bürgermeister Brunner die Zusage habe, daß nach dem Umbau des ehemaligen Rathauses Räume für die Einrichtung einer heimatkundlichen Sammlung zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Betreuung dieser Sammlung soll durch den Heimat- und Verkehrsverein erfolgen. Bis zur endgültigen Realisierung gingen jedoch noch einige Monate voller Bangen und Unsicherheiten ins

Land.

In dieser Versammlung wurde übrigens der langjährige Vereinsvorsitzende Otto Wenke zum Ehrenvorsitzenden ernannt. (1986 wurde ihm auf Vorschlag des HVV das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.)

Es dauerte dann bis zum 24.9.1980, als der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung nach Abwägung mehrerer Varianten letztendlich beschlossen, das ehemalige Rathaus auf Dauer zu erhalten und dem Heimat- und Verkehrsverein die Räume im Erdgeschoss für die Einrichtung einer heimatkundlichen Sammlung zu überlassen. Da die Gemeinde aufgrund der angespannten Haushaltslage die erforderlichen Renovierungsarbeiten nicht voll finanzieren konnte, renovierten die Vereinsmitglieder des HVV in über 1500 freiwilligen Arbeitstunden das komplette Haus. Wochenende für Wochenende und zudem noch an einigen Abenden in der Woche arbeiteten diese Helfer über Monate hinweg daran, aus einem fast abbruchreifen “alten Kasten” ein wahres Schmuckkästchen zu machen.

Im November 1981 wurde mit der Ausstellung “Freie Zeit - genutzte Zeit” das inzwischen fertiggestellte Erdgeschoss der Bevölkerung vorgestellt. 68 Aussteller beteiligten sich, und “ein nicht enden wollender Besucherstrom war an jenem ersten Novemberwochenende im (ehemaligen) Rathaus anzutreffen”.

Es war ein unglaublicher Einsatz, der heute fast nicht mehr nachzuvollziehen ist. Zusätzlich trugen die damaligen Helfer zahlreiche Ausstellungstücke für die heimatkundliche Sammlung zusammen, so dass bei der Eröffnung schon ein ansehnlicher Fundus vorhanden war, der heute noch als Grundstock für das Museum dient. – Finanziell wurde die Aktion unterstützt durch den Verkauf von “Bausteinen” (Zeichnung des Hauses mit Zusatzinformationen) zum Preis von je 5 DM, die in guter Zahl von der Bevölkerung erworben wurden.

In dieses Jahr 1982 - vom 4. bis 7.6. - fiel auch die erste Beteiligung des HVV am Ginsheimer Altrheinfest. Es wurde zusammen mit der Siedlergemeinschaft in einem eigenen Stand “neben Wein und alkoholfreien Getränken auch Erbsensuppe mit Würstchen sowie Mohnstangen mit Schinken und Käse feilgeboten”.

Ebenfalls aus dem Jahr 1982 stammt der inzwischen zur Tradition gewordene Helferabend. Bei passenden Speisen und Getränken und bei munterem Plaudern bedankt sich der Verein bei all seinen Helfern, die z.B. bei den Arbeiten im Museum, bei dem Altrheinfest, der Fastnachtsveranstaltung oder sonst wie dem Verein ihre Unterstützung zukommen ließen.

Auch im Jahr 1982 wurde im und am Museum weitergearbeitet. Die Gemeinde ließ das Dach sanieren; dadurch blieben nicht ausreichend Mittel für all die weiteren erforderlichen Arbeiten übrig. Die Helfer des HVV boten an, den alten Verputz abzuklopfen, das Fachwerk zu entnageln und die Spenglerarbeiten zu übernehmen. Diese wichtigen Außenarbeiten wurden im Oktober und November 1982 durchgeführt – und es blieb bei den Beteiligten in Erinnerung, wie glücklich sie waren, tatsächlich das durch Infrarot-Aufnahmen festgestellte Fachwerk in gutem Zustand vorzufinden. Der HVV leistete übrigens neben der Selbsthilfe auch einen beachtlichen finanziellen Beitrag zu der Renovierung des Hauses.

Die Museumseinweihung am 29. Oktober 1983 markiert einen bedeutenden Höhepunkt im Vereinsleben des Heimat- und Verkehrsvereins. Neben dem Museum selbst konnte auch der Platz vor dem alten Rathaus nach der Umgestaltung “eingeweiht” werden. Es ist erwähnenswert, dass der Ginsheimer Architekt Philipp Laun die Kosten für diese Umgestaltung und für den Brunnen übernahm.

Die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Verein wurde auch weiterhin mit steigenden Mitgliederzahlen honoriert. So waren am Ende des Jahres 1984 bereits 275 Mitglieder im Verein registriert.

Nach der Eröffnung des Museums trieb der Verein weiterhin den Ausbau des Gebäudes und die Erweiterung der heimatkundlichen Sammlungen rege und hoch motiviert voran. Zudem beteiligte sich der HVV aktiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gemeinde: durch Mithilfe bei den Vorbereitungen für das Altrheinfest, Erstellung von Sonderaustellungen, Museumsführungen für Schulklassen und Besucher, In- und Auslandsfahrten und durch das Mitwirken bei heimatbezogenen Forschungen.

Im November 1985 konnte das Obergeschoss des Hauses fertig gestellt werden – und auch dieses wurde wieder im Rahmen einer Ausstellung “Freie Zeit – genutzte Zeit” seiner Bestimmung übergeben. Mehr als 1.000 Besucher kamen zu diesem kleinen Volksfest.

Im Mai 1987 gab der langjährige Vereinsvorsitzender Claus Daschmann sein Amt aus Gesundheitsgründen ab.

Die “Ära Daschmann” war neben dem Museumsausbau stark geprägt durch zahlreiche lokale Führungen, durch Fahrten in die nahe und ferne Umgebung sowie Mehrtages-Reisen bis hin nach Frankreich – nach Paris, an die Loire, in die Bretagne und in das Burgund. Er war wie kaum ein anderer in der Lage, diese Ausflüge und Reisen gekonnt vorzubereiten und unterwegs spannend zu kommentieren.

Nach dem Ausscheiden von Claus Daschmann übernahmen Erwin Dürr (von 1987 bis 1991) und Ingrid Jabang, geb. Langendorf (von 1991 bis 1996) den Vorsitz. Die fast schon Tradition gewordenen Veranstaltungen wurden weiterhin mit vollem Einsatz durchgeführt wie z. B. Fastnachtsabend, Wanderung, Altrheinfestbeteiligung, Beteiligung am Umwelttag, Museumsführungen usw. Und der Ausbau des Dachgeschosses im Museum wurde weiter vorangetrieben.

Von den vielen Besuchern und Besuchergruppen, die im Laufe der nun schon mehr als 20 Jahre das Museum aufgesucht haben, soll hier nur eine Gruppe besonders erwähnt werden: Am 18.9.1988 besuchte eine 8-köpfige offizielle Delegation der Stadt Bouguenais unsere Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg und auch das Heimatmuseum. Dieser Besuch in unserer Gemeinde war der Ausgangspunkt für die Verschwisterung von Bouguenais mit Ginsheim-Gustavsburg, in die im darauf folgenden Jahr die senegalesische Landgemeinde Ballou eingebunden wurde.

Im Jahr 1992 hatte das Museum eine ständige Besetzung: Die Gemeinde stellte einen Historiker ein, der das umfangreiche Archivmaterial aufarbeitete und ordnete. Der HVV beteiligte sich an den Kosten.

1993 standen aufgrund einer Grippe-Epidemie nur recht wenig Vortragende für den Fastnachtsabend zur Verfügung. Was seinerzeit als Notlösung eingeführt wurde, entwickelte sich zu einem sehr großen Positiv-Faktor für diese Veranstaltung: Zwischen die einzelnen Darbietungen wurden Tanzrunden eingelegt. Damals, um den Abend zu “strecken” – und bis heute wird dies fortgesetzt, obwohl inzwischen jeweils wieder ausreichend Mitstreiter, Redner und Vortragende zur Verfügung stehen. Aber den Tanz und die körperliche Bewegung zwischen den einzelnen Punkten möchte kaum jemand missen.

Am 11. und 12. September 1993 feierten wir das 10-jährige Bestehen des Heimatmuseums und die Eröffnung des Dachgeschosses mit einem Straßenfest vor dem Museum. Festredner war der Kulturdezernent und Bürgermeister der Stadt Mainz Dr. Anton Maria Keim – nicht zuletzt in Anbetracht der Tatsache, dass die Stadt Mainz, wie auch heute noch, die grundbuchrechtliche Eigentümerin des alten Rathauses und heutigen Museumshauses ist. Dieses Fest, das zwei Tage lang volles Programm bot, fand einen großartigen Zuspruch.

Zum Altrheinfest 1995 beschickte der HVV erstmals alleine den Weinstand, der 13 Jahre lang gemeinsam mit der Siedlergemeinschaft bewirtschaftet wurde. Als äußeres Zeichen hierfür wurde der Stand neu gestaltet.

Zwischen März 1996 und April 2006 übernahm Herbert Jack den Vorsitz des Vereins
.

Im Laufe des Jahres 1997 wurden erneut Arbeiten im Museum erforderlich: die Küche und der davor liegende Raum wurden in Eigenarbeit renoviert, der Boden wurde mit Laminat belegt und die Wände großflächig ausgebessert und angelegt bzw. tapeziert.

“Das” HVV-Ereignis im Jahre 1998 war der Mittelalterliche Markt. Er selbst, mit viel Einsatz und Liebe zum Detail von allen Ausstellern hingebungsvoll gestaltet, sowie das Rahmenprogramm im Ort und in der Kirche und nicht zuletzt das hervorragende Wetter machten aus dem verwegenen Plan eine sehr ansprechende und gut angenommene Veranstaltung.

1999 konnte nach langer Pause wieder die erste Frankreichfahrt, und zwar in die Champagne, angeboten werden. Die gebotene Mischung aus Kultur und Lukull kam gut an, und somit folgten im Jahresrhythmus Fahrten in das Elsass (2000), in den französischen Jura (2001), zur Tour de France nach Paris (2002) und nach Luxemburg und in die französischen Ardennen (2003).
Die Fahrt 2004 führte uns in das Burgund und 2005 nach Lothringen.

Am 7. Oktober 2000 wurde das ehemalige Schulhaus und heutige Rathaus in der Schulstrasse 100 Jahre alt. Grund für den HVV, eine Ausstellung vorzubereiten und ein Buch “1900 - 2000 * Schulgebäude Ginsheim” fertig zu stellen.

Am 30.10.2001 startete ein neues Programm: Autorenlesungen im Heimatmuseum. Im Rahmen dieser Reihe saßen bislang zahlreiche Autorten in der Schusterwerkstatt des Heimatmuseums.

Seit Oktober 2003 werden die Exponate des Heimatmuseums inventarisiert. Jedes einzelne Stück wird gemessen, in seinem Aussehen und in seiner Funktion beschrieben, hinsichtlich der Herkunft erfasst, nummeriert, fotografiert und per PC dokumentiert. Diese Arbeit, die zurzeit von 3 Teams à 2 Mann geleistet wird, ist auf schätzungsweise 5 bis 10 Jahre angelegt!

Es muss in einer HVV-Chronik erwähnt werden, dass im November 2003 und im Februar 2004 die unermüdliche Arbeit von Horst Seil, der seit 1983 das Museum fast in Alleinarbeit ausstattet, gestaltet und betreut und der die große Mehrzahl der Führungen macht, sowohl von der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg als auch von dem Überlandwerk Groß-Gerau die verdienten Würdigungen erfuhr.

In den vergangenen Jahren fanden Gruppenführungen im Heimatmuseum immer größeres Interesse. Waren es vor ca. 10 Jahren noch durchschnittlich 5 Gruppen jährlich, die um eine Führung baten, so waren es in den beiden letzten Jahren jeweils mehr als 20 Gruppen, die einen kommentierten Rundgang machten.

50 Jahre HVV

Im Jahre 2004 konnte der HVV sein 50-jähriges Bestehen feiern.
Hierzu konnte als Schirmherr und Laudator Herr Dr. Anton Maria Keim, früher Kulturdezernent der Stadt Mainz, gewonnen werden.
Folgende Aktivitäten wurden im Jubiläumsjahr durchgeführt:

- mehrere Führungen in Mainz, Ginsheim und Gustavsburg
- eine Theatervorstellung in Ginsheim durch das Mainzer Mundarttheater “Meenzer Rhoiadel”)
- Autorenlesungen
- Festwochenende in Ginsheim vor dem Heimatmuseum vom 10.-12.9.2004 mit dem “Ginsheimer 
   Abend der Vereine” - Titel: “Do mache mer hie - do sinn mer debei”


Am 5. April 2006 übernahm Günter Schmitt den Vorsitz des Vereins.

Dankeschön-Abend, Altrheinfest und Wandertag 2006 waren wieder im Programm. Vor Ostern und im Advent fanden im Museum die entsprechenden Ausstellungen statt.

Für sein Engagement im Museum erhielt Horst Seil im Januar 2007 den Bürgerpreis der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg.

Die letzte Rheinschiffsmühle

In der Zeit von 1998-2004 wurde vom HVV eine umfangreiche Dokumentation über die letzten Rheinschiffsmühlen in Ginsheim erstellt. Die letzte dieser Schiffsmühlen verbrannte im Bombenhagel des 2. Weltkrieges im Mainzer Winterhafen. Pläne hierzu konnten nicht mehr ausfindig gemacht werden.
Mit Hilfe einer Forschungsgruppe der Fachhochschule Wiesbaden um die Professoren Hans-Jürgen Holland und Peter Fröhl sowie mit Beratung durch Herrn Karl-Heinz Schanz vom Hessischen Mühlenerhaltungsverein gelang es, ein computergestütztes, wahrheitsgetreues Abbild des Innenraumes einer Schiffsmühle zu erstellen.

Hierzu diente auch ein Besuch im Deutschen Museum in München, wo sich ein originalgetreues Modell der Schiffsmühle befindet. Darüber hinaus liess der HVV einen Demonstrations-Film “Ginsheimer Schiffsmühlen” erstellen. Zusätzlich wurden im Jahre 2003 von HVV-Mitgliedern aus einer Mühle in Salzböden/Oberhessen Originalbauteile demontiert und in Ginsheim für einen späteren evtl. Mühlennachbau eingelagert.
Nunmehr hat sich der Vorstand des HVV jedoch in 2006 dazu entschlossen, das Projekt “Neubau/Nachbau einer Rheinschiffsmühle” in eigener Regie nicht weiterzuverfolgen. Zum einen ist eine Finanzierung derzeit nicht darstellbar und zum anderen ist es dem HVV alleine nicht möglich, einen späteren Betrieb und die Unterhaltung einer solchen Mühle zu gewährleisten.

Ein Höhepunkt im Jahr 2007 war die von J.Iberer organisierte und durchgeführte Traktorenausstellung am 08. und 09.09. mit Unterstützung des Kanuvereines im Bansen. Am Sonntag zog sich eine lange Schlange von Traktoren durch die Ginsheimer Straßen und endete mit dem abschließenden Schaudreschen.

Bei der JHV am 12.03.2008 wurden neu in den Vorstand gewählt: Michaela Heimann, Martina Hofmann und Gerlinde und Wolfgang Beisiegel. Ausgeschieden waren Dieter Hummel und Hilmar Schnell.
Auf Vorschlag von R.Guthmann und R.Dürr wurde bei der Gemeindeverwaltung angeregt, erhaltenswerte Grabsteine zu erfassen und zu erhalten.
Die Sitzungen der SKG wurden regelmäßig besucht, die Inventarisierung lief beständig weiter.